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Grippeviren:
Wie verändern sich Grippeviren?

Anfang Januar 1998 erkrankten in Hongkong 18 Menschen an einem bisher unbekannten Grippevirus, der sogenannten Hühnergrippe. Einige von Ihnen starben. Die Gesundheitsbehörde der Stadt entschloß sich, alle in Hongkong und Umgebung lebenden Hühner, Enten und Gänse (insgesamt ca. 1,3 Millionen Tiere) zu töten.

Alle 20 bis 30 Jahre, so stellen Wissenschaftler fest, breiten sich besonders gefährliche Grippeviren innerhalb weniger Monate über alle Kontinente aus. Die letzte große Grippewelle war in den Wintern 1968 bis 1970 und wurde als Hongkong-Grippe bezeichnet. Mehr als 700000 vorwiegend ältere Menschen fielen Ihr zum Opfer. Insoweit paßt das Auftreten einer neuen Epidemie in dieses Jahresschema.

Warum aber können Menschen, die damals einmal eine Infektion überlebten,wieder erkranken?

Grippeviren können bestimmte Bereiche auf Ihrer Zelloberfläche verändern, dadurch entstehen neue gefährliche Grippevirustypen, die das Immunsystem des befallenen Menschen nicht kennt und dieses sehr schnell überfordert. Das bei früheren Viruskontakten gebildete Abwehrsystem (Antikörper) des Menschen ist auf Grund der Veränderung des Grippe-Virus wirkungslos.

Wie verändern sich die Grippeviren?

Es gibt zwei Möglichkeiten:

  • bestimmte Bereiche der Zelloberfläche des Virus ändern sich allmählich, meist nur geringgradig

oder

  • bestimmte Oberflächenbereiche der Viruszelle werden als Block ausgetauscht.

Diese Veränderung ist meist erheblich und tritt plötzlich auf. Es handelt sich dann um einen völlig neuen Krankheitserreger. Diese massive Art der Veränderung eines Virus kann dadurch eintreten, daß zwei verschiedene Virusarten zufällig gleichzeitig einen Organismus befallen haben und sich dann untereinander "kreuzen". Das Hausschwein ist z. B. ein idealer Organismus für die Entstehung einer solch neuen "Virusrasse".

Im Fernen Osten leben Menschen, Geflügel und Schweine häufig auf engstem Raum miteinander. Daraus wird verständlich, warum neue Grippe-Virustypen meist ihren Ursprung im Fernen Osten haben.

Normalerweise kann ein Grippevirus von Hühnern nicht den Menschen befallen oder umgekehrt ein Grippevirus des Menschen nicht Geflügel befallen.

Viren haben auf ihrer Zelloberfläche einen bestimmten Bereich, den man mit einem "Schlüssel" vergleichen kann. Es handelt sich hierbei um ein bestimmtes Molekül, das erst an einer Stelle gespalten werden muß, damit der Virus von einer Zelle beispielsweise des Menschen aufgenommen werden kann. Dieser "Schlüssel" paßt aber nicht zu jedem "Schloß" (Körperzelle der Menschen). Er wird zunächst mit einer "Feile" (Enzym) passend gemacht. Deshalb ist ein Grippevirus auch auf eine bestimmte Tierart beschränkt.

Verändert sich der "Schlüssel" eines Virus, jedoch in der vorher beschriebenen Art, so kann eine Virusvariante entstehen, die auch von anderen "Feilen", und nicht nur einer spezifischen, bearbeitet werden kann.

Das Anfang Januar gefundene Virus besaß einen so veränderten "Schlüssel", kann also theoretisch verschiedene Arten von Zellen befallen, d. h. eventuell ist ein Überschreiten der Artengrenze von Geflügel auf den Menschen möglich.

Eine solche Bedrohung rechtfertigt sicher die Massentötung möglicherweise infizierter Geflügel, wie sie von der Gesundheitsverwaltung der Stadt Hongkong veranlaßt wurde.

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